Rat lehnt Lerchengrund-Variante ab

Die Fraktionen von CDU, SPD und Freien Wählern haben am Donnerstag im Gemeinderat ihre Zustimmung zu dem von der Stadt vorgelegten Grundsatzbeschluss zum Werkhof-Umzug verweigert (wir berichteten).

Lörrach. Dieser sah die Verlegung des Werkhofs auf das Lerchengrundgelände vor - dort befindet sich bereits der Eigenbetrieb Stadtgrün. Bevor es zur Abstimmung kam, zog Oberbürgermeister Jörg Lutz die Beschlussvorlage auf Vorschlag von Günter Schlecht (SPD) zurück. Die Grünen hatten unter Bauchschmerzen Zustimmung signalisiert.

Die Ratsmehrheit hatte massive Bedenken wegen der zu erwartenden Lärmproblematik im Wohngebiet. Zudem wurde angezweifelt, dass die Verwaltung entschlossen genug nach geeigneten Flächen gesucht hat. Im Frühjahr soll das Thema dem Gremium abermals vorgelegt werden.

Die Christdemokraten lehnen das Beschlusspaket des Rathauses "gesamthaft ab", betonte Bernhard Escher. Die zu erwartenden Synergieeffekte durch die Zusammenarbeit mit Stadtgrün stünden bei einem Umzug Richtung Lerchengrund in keinem Verhältnis zu den Nachteilen.

Obgleich der Werkhof in der Teichstraße keine Zukunft habe und die Verhältnisse desolat seien, wolle auch die SPD bei der Standortfrage "noch keine Pflöcke einschlagen", sagte Schlecht. Auch deshalb, weil neben der Lärmproblematik wertvolle Wohnbaufläche im einem innerstädtischen Quartier verschenkt werde.

Die Sozialdemokraten forderten die Stadt auf, abermals intensiv nach Alternativen zu suchen, unter anderem im Umfeld des Hasenlochs, wo der Recyclinghof angesiedelt ist. Uwe Claassen (Freie Wähler) bekräftigte diese Argumentation, Matthias Koesler (FDP) lehnte die Vorlage ebenfalls ab.

Für die Grünen beschrieb Claudia Salach die Gemengelage als "sehr problematisch". Auch sie sehen die Lärmproblematik. Indes sei der Standort-Favorit Lerchengrund nach gewissenhafter Prüfung der Flächen ausgewählt worden. Zudem sprächen sowohl Wirtschaftlichkeitserwägungen als auch die Dringlichkeit des Projekts für den Vorschlag der Kommune: "Falls aber doch noch eine andere Lösung gefunden wird, begrüßen wir dies."

"Ohne Not würden wir den Lerchengrund nicht vorschlagen", beteuerte Bürgermeister Michael Wilke. Die Stadt sei sich der steigenden Lärmbelastung für die Bewohner des Quartiers bewusst, doch seien alle potenziellen Standorte untersucht worden. Wie berichtet, scheitert die Nutzung des ein oder anderen Grundstücks daran, dass weder Land noch Bund ihren Grund und Boden verkaufen wollen. Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz betonte: "Das war kein Schnellschuss von uns." Und weiter: "Nennen Sie uns bitte konkret weitere Standortvorschläge".

Das tat Hans-Peter Pichlhöfer (Freie Wähler): Er schlug das Areal "Im Hummel" am Tüllinger vor, wo die Stadt derzeit Erde vom Neubaugebiet Belist aufschüttet.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte gestern die Fachbereichsleiterin "Umwelt und Klimaschutz", Britta Staub-Abt, diese Fläche befinde sich im europäischen Vogelschutzgebiet und grenze an ein Landschaftsschutzgebiet an: Rahmenbedingungen, welche die Errichtung eines Werkhofs erschweren.

(Artikel von aus dem Oberbadischen Volksblatt am 17.11.2017)